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Die Feyman-Methode – die schlaue Art zu lernen

Darf ich vorstellen: Richard Feynman, Nobelpreisträger der theoretischen Physik, war ein Genie. Zumindest sagen das andere. Feynman schreibt seinen Erfolg größtenteils seiner Art zu lernen und zu verstehen zu. Feynman entwickelte seine ganz persönliche Methode, um Themen tiefgründig zu lernen und zu verinnerlichen. Die Methode, die heute als Feynman-Methode bekannt ist, ist ein Prozess aus 4 wiederholbaren Schritten:

  • Schritt 1 – Wähle das Thema aus und fange an zu lernen
  • Schritt 2 – Erkläre das Thema
  • Schritt 3 – Fülle die Wissenslücken
  • Schritt 4 – Vereinfache das Thema

Schritt 1 der Feynman-Methode: Identifiziere das Thema

Der erste Schritt besteht darin, ein Thema zu wählen, mit dem wir uns in letzter Zeit beschäftigt haben und/oder ein Thema, mit dem wir unser Wissen und Verständnis testen wollen. Das kann buchstäblich jedes Thema sein, das wir wollen. Beachte aber, dass es möglichst spezifisch sein sollte: Kannst du dir vorstellen, das Thema in 5 Minuten grob zu erklären?

Welche Vorteile hat es für das Lernen, wenn du das Thema festlegst?

Es macht das Lernen spezifisch – wir konzentrieren uns auf einen Themenbereich und nicht auf ein ganzes Fach. Je genauer du den Wissensbereich absteckst, desto klarer ist dein Lernprozess. Wie du dein Lernprojekt planst und extrem effizient lernst, erfährst du in diesem Artikel.

Schritt 2: Erkläre es einem 12-jährigen Kind

Stelle dir vor, du erklärst das Thema einem Kind oder suche dir eine Freundin, die noch nie mit dem Thema in Berührung gekommen ist.

Du wirst schnell merken, dass du hier mit Definitionen nicht weiterkommst und deine Erklärungsnot weitere Wissenslücken aufdecken wird. Dazu gleich im nächsten Schritt.

Wende das Thema stattdessen praktisch an und gib konkrete Beispiele.

Erklären verwandelt passives Lernen in einen aktiven Prozess

Wenn wir neue Skills für den Job lernen, dann geben wir uns oft damit zufrieden, Fachbüchern zu lesen oder einen Onlinekurs anzuschauen. Das ist ziemlich passiv.

Jemanden etwas beizubringen ist dagegen eine aktive Lernmethode und damit viel effektiver. In kürzester Zeit siehst du, wie viel (oder wenig) du eigentlich verstanden hast.

Wenn du kein Kind oder Freund zur Hand hast: Nimm ein Blatt Papier und erkläre dein gewähltes Thema ausführlich in deinen eigenen Worten. Versuche, dich kurzzufassen, vermeide Fachjargon und verwende Beispiele oder Vergleiche, wo immer es geht.

Lehren ist lernen

Im Yoga spricht man oft davon, dass der Lehrer (Guru) vor allem selbst ein Schüler ist. Als Yoga-Lehrer lernst du viel über deine eigenen Qualitäten, wenn du andere unterrichtest. Richard Feynman war bekannt dafür, theoretische Physik leicht verständlich zu präsentieren.

Ich lege dir also ans Herz, dir einen echten Laien zu suchen, dem du das Thema erklären kannst. Denn gerade die Verständnisfragen können (und sollen) dich ins Schwanken bringen. Wenn es in unserem Wissen eine Lücke gibt, werden wir sie schnell finden.

Das Unterrichten ist eine Feedbackschleife, um herauszufinden, was wir nicht wissen, und nicht, um zu erklären, was wir wissen. Wir bekommen externes Feedback – wenn wir durch Notizen lernen, ist es für uns sehr schwierig zu erkennen, ob wir etwas gut genug gelernt haben. Wenn wir aber versuchen, jemandem ein Thema zu erklären, werden sie uns oft wissen lassen, ob sie etwas nicht verstehen oder ob unsere Erklärung noch vereinfacht werden muss.

Schritt 3: Identifiziere die Wissenslücken

Im dritten Schritt der Feynman-Methode müssen wir die Bereiche aufzeigen, die wir nur schwer erklären konnten oder in unseren Notizen nachschlagen mussten, um unser Verständnis aufzufrischen. Wenn wir in unseren Erklärungen Fachbegriffe verwenden mussten, sollten wir uns selbst herausfordern, diese Begriffe in einfachere Bestandteile zu zerlegen.

Wenn ein Kind Schwierigkeiten hätte, uns zu verstehen, haben wir eine Wissenslücke gefunden, die in Schritt 4 geschlossen und vereinfacht werden muss. Der Schlüssel liegt nicht nur darin, komplexe Bereiche unserer eigenen Erklärungen zu identifizieren, sondern auch zu hinterfragen und zu erkennen, wo wir Annahmen getroffen haben, die auf dem basieren, was wir bereits intuitiv verstehen. Ein Kind wird intuitiv nicht viel über unser Thema wissen, also müssen wir sicherstellen, dass unsere Erklärungen die Dinge auf das Wesentliche reduzieren.

Welche Vorteile hat das Erkennen von Wissenslücken für das Lernen?

Es ist eine aktive Art zu lernen – indem wir erkennen, wo wir Schwierigkeiten haben, lernen wir bewusster. Anstatt die Kapitel zu wiederholen, den wir bereits kennen, konzentrieren wir uns auf die Themen, die wir nicht ausreichend erklären konnten (und entsprechend noch nicht verstanden haben).

Lernen auf diese Weise ist iterativ, wie ein Kreislauf. Es ist unmöglich, sich ein Thema zu merken, wenn wir es nur einmal anschauen. Durch die Feynman-Methode gehst du durch einen Kreislauf von Lernen, Erklären und Verstehen.

Wenn wir ein Thema mehrmals unterrichten und Wissenslücken schließen, ist es wahrscheinlicher, dass wir dieses Wissen wirklich verstehen und dazu direkt besser im Langzeitgedächtnis abspeichern können.

Schritt 4 der Feynman-Methode: Vereinfachen

Im Idealfall hast du dein Verständnis durch die Schritte eins bis drei bereits deutlich verbessert. Aber du bist noch nicht fertig. Jetzt musst du den Inhalt vereinfachen.

Dieser Schritt ist extrem effektiv, um dein Verständnis für ein Thema zu verbessern. Es ist extrem schwierig, etwas so klar zu erklären, dass es selbst kleine Kinder mit einem begrenzten Wortschatz verstehen können.

Das zwingt dich dazu, die Informationen gründlich zu beherrschen und auch zu begreifen, wie die verschiedenen Konzepte zusammenpassen.

Der letzte Schritt der Feynman-Methode besteht darin, unsere Erklärung eines Themas in einfacheren Begriffen umzuschreiben. Dazu gehört oft, dass wir unsere Gedanken neu ordnen, damit die Erklärung natürlicher fließt, unvollständige Gedanken beenden und einfachere Beispiele finden, um komplexe Ideen zu zerlegen.

Welche Vorteile hat das Vereinfachen für das Lernen?

Verstehen beginnt mit Einfachheit – wir verstehen etwas nicht, wenn wir es nicht einfach erklären können. In der Uni haben wir gelernt, Fachsprache zu verwenden und Definitionen zu lernen. Doch das hindert uns am Verstehen. Wir verstecken uns hinter bedeutungsschwangeren Worten, die wir und andere nicht verstehen.

Bonus-Tipp zur Feynman-Methode

Richard Feynman war zweifellos ein helles Köpfchen. Doch neben seiner Intelligenz und seiner Lernmethode zeichnete ihn noch etwas anderes aus: Er war besessen von seinen Themen und begeistert von dem, was er tat. Lerne also die Dinge, von denen du von Natur aus Neugierde mitbringst. Stelle dir selbst immer wieder Verständnisfragen und beantworte sie dir selbst schriftlich. Für Feynman war Denken und Schreiben kein Folgeprozess, sondern eine Einheit.

Mache dir nichts vor

Richard Feynman war sich nie zu schade, einfache Verständnisfragen zu stellen und vor den Augen anderer als unwissend dazustehen. Sei mal ehrlich: Wie oft hast du dich nicht getraut, eine Verständnisfrage zu stellen, weil es dir zu peinlich war? Mach dir nichts vor und lass dein Ego außen vor, wenn dir das Lernen wirklich am Herzen liegt.

Wenn wir effektiver lernen und unser Verständnis eines Themas vertiefen wollen, gibt es kaum eine effektivere als die Feynman-Methode. Wie du merkst, sind es zwar nur vier Schritte, aber sie benötigen Zeit. Wer ernsthaft ein Thema verstehen will, muss es erklären können, seine Lücken anerkennen und sie angreifen. So funktioniert es übrigens auch beim Ultralearning.